Chemiewaffen in Syrien: Was Carla del Ponte wirklich sagte

Interview mit Carla Del Ponte

Geradezu hysterisch waren die Reaktionen der USA und der Engländer, nachdem Carla del Ponte in einem RSI-Interview die Propaganda der Grossmächte über den Chemiewaffeneinsatz Assads empfindlich ins Wanken brachte. Während ohne jegliche Fakten zu nennen immer wieder wiederholt wurde dass Assad wahrscheinlich Chemiewaffen benutzt habe, machte Carla del Ponte publik, dass es zwar Anzeichen der Anwendung dieser Waffen gebe, für die Verwendung aber die Opposition in Frage komme und eben nicht die Regierung Syriens. Seit Wochen wird darüber diskutiert. Die Welt schaut mit Besorgnis auf die Waffen­arsenale des Regimes, aber vor Ort könnte die Sache ganz anders aussehen.
Zum ersten Mal enthüllt Carla Del Ponte in einem RSI-Interview, dass die Untersuchungskommission der Uno zu Syrien, welcher sie angehört, ernsthafte und konkrete Verdachtsmomente hat, dass die Aufständischen chemische Waffen eingesetzt haben. Resy Canonica hat Frau Del Ponte getroffen.


Carla Del Ponte:

Während unserer Untersuchung, das heisst, unsere Untersuchungsteams befragen in den angrenzenden Ländern die verschiedenen Opfer sowie auch die Ärzte in den Feldspitälern vor Ort, habe ich letzte Woche in einem Rapport gesehen, dass es starke Indizien dafür gibt, auch wenn noch nicht unwiderlegbar bewiesen, dass Sarin-Gas zur Anwendung gekommen ist. Dies lässt sich aus der Art, wie die Opfer behandelt wurden, folgern. Und dass diese Anwendung von den Gegnern, also seitens der Rebellen, erfolgt ist und nicht seitens der Regierung. Es scheint mir bezeichnend. Was uns zwar nicht erstaunt, denn bei der Opposition haben sich ausländische Kämpfer eingeschlichen, Leute die von aussen kommen, Guerilla-Kämpfer usw. Also, obwohl wir im Augenblick keine spezifische Untersuchung über chemische Waffen führen, haben wir Anzeichen dafür, dass falls chemische Waffen zur Anwendung gekommen sind, dies seitens der Oppositionellen geschehen ist.

Frau Del Ponte, wird die Arbeit der Kommission zu konkreten Resultaten führen?
Carla Del Ponte:
Ich sage oft, dass wir ein Alibi für die internationale Gemeinschaft sind. Das heisst, wir fahren mit unseren Untersuchungen fort, wir machen sie auch gut, wir arbeiten gut. Wenn sich aber danach niemand darum kümmert, einem Gericht die Kompetenz zu geben, diese Verbrechen zu ahnden, ist unsere Arbeit umsonst.
Also inzwischen, es sind bereits mehr als zwei Jahre vergangen, wäre es an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft, der Sicherheitsrat, sich entscheidet, diese Fälle dem ständigen Gerichtshof zu übergeben, und so könnte unsere Arbeit im Justizbereich eingebracht werden.

Aber während dieser zwei Jahre des Konfliktes haben nur die Waffen gesprochen. Hat die Diplomatie versagt?
Carla Del Ponte:
Wissen Sie, von wem es abhängig ist, ob Friedensverhandlungen möglich sind? Es hängt von den USA und von Russland ab. Wenn die USA und Russland sich an einen Tisch setzen und sich einigen, könnten wir in Syrien Frieden haben. Leider ist das bis jetzt noch nicht geschehen, aber eine kleine Hoffnung besteht immer noch. •

Quelle: Radiotelevisione svizzera RSI, Sonntag, 5. Mai 2013, 18.32 Uhr
(Übersetzung Zeit-Fragen)

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