Dozentin für Journalistik deckt westliche Propaganda auf

Bei der Berichterstattung über den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland gebe es „entlarvende Automatismen“, erklärt die Dozentin für Journalistik, Gabriele Krone-Schmalz. In einer beachtenswerten Bestimmtheit kritisiert sie die westlichen Medien und deckt die Propaganda mit klaren Worten auf.

Also, wir die Medien hätten zu einem frühen Zeitpunkt wissen müssen und es auch verkünden müssen, dass dieses Assozierungsabkommen die Ukraine zerreisst.

Beginn des Gespräches:

NDR: Frau Krone-Schmalz, wir kriegen.. eh, mit wir meine ich wir Medien kriegen in den letzten Wochen sehr viele Zuschriften, Printredaktionen, Hörfunkredaktionen und Fernsehredaktionen zugleich, von Zuschauern, von Usern, die sich beschweren über unsere Russland-Berichterstattung, die eine gewisse Einseitigkeit feststellen. Können Sie das teilen?

Gabriele Krone-Schmalz:
Das kann ich teilen, ich kriege diese Mails und Zuschriften ja auch, das kann ich teilen. Es sind in der Tat Fehler gemacht worden. Die kann man auch benennen.

NDR: Sagen sie mal…

Gabriele Krone-Schmalz:
Ein grosser Fehler hat sich eigentlich bereits Ende letzten Jahres abgespielt. Man hätte, im Zusammenhang mit der Ukraine, viel viel früher das EU-Assozierungsabkommen über das ja jeder geredet hat, mal erklären sollen. Ich gehe mal davon aus dass die meisten unserer Kollegen dieses Abkommen nicht gelesen haben, sonst wären Sie möglicherweise über Paragraph sieben gestolpert, darin ist nämlich von militärischer Zusammenarbeit die Rede, zum Beispiel von Konvergenz auf diesem Gebiet. Also wir, die Medien hätten zu einem frühen Zeitpunkt wissen müssen und es auch verkünden müssen, dass dieses Assozierungsabkommen die Ukraine zerreisst.

NDR: (hörbar verunsichert) Eh.. das stimmt sicherlich, aber…, was mich eh.., das beantwortet aber nicht die Frage wo diese Kluft herkommt zwischen öffentlichter Meinung und veröffentlichter Meinung. Gerade diese Kluft zwischen Journalisten und dem Publikum, weil die meisten Leute aus dem Publikums, die werden dieses Assozierungsabkommen auch nicht gelesen haben.

Gabriele Krone-Schmalz:
Das mag schon sein, ich will vielleicht zuerst noch ein paar offensichtliche Fehler aufführen, um dann auf die Kluft zu kommen. Wenn Sie mal darauf achten wie präzise oder unpräzise mit Begriffen umgegangen wird: Europa und EU, ist nicht dasselbe und es ist sehr oft Europa genannt wenn EU gemeint ist. Und die Bürger sind wohl nicht so dumm, dass ihnen das nicht auffällt. Oder in der Berichterstattung über Russland, da weiss ich es insbesonders, bei anderen würde ich mich nicht aus dem Fenster hängen, ist sehr sehr oft von „wohl“, „offensichtlich“, „vermutlich“, „wahrscheinlich“, so in der Richtung die Rede, die Fragen die von den Kollegen und Kolleginnen aus den Studios kommen sind ja auch darauf ausgerichtet: „Was glauben Sie…was denken Sie…was meinen Sie“ und da finde ich, müsste man sich viel öfters verweigern, DAS merken Zuschauer. Und dann, das glaube ich das merken sie ganz extrem, diese entlarvenden Automatismen, also wenn der Moderator im Studio fragt den Kollegen vor Ort: „Droht dem Osten der Ukraine nun das gleiche Schicksal wie der Krim?“ Das darf nicht sein! Das gehört da nicht hin. Oder, wenn von „pro-russischem Mob“ die Rede ist und dieser Begriff es bis in die öffentlich rechtlichen Nachrichten schafft.
Also, diese Kluft zu erklären ist sicher schwierig aber ich habe den Eindruck dass Bürger, die ja nun mal in einem System leben das man demokratisch nennt, und die ja dann auch Mal in die Lage kommen Entscheidungen fällen zu müssen, auf einer soliden Grundlage, dass Bürger sich ein gutes Gespür dafür bewahrt haben, dass die Welt nicht nur in gut und böse unterteilt ist, dass man genauer hingucken muss, dass sie mehr Hintergründe wollen, auch wenn sich das nicht durch die Quoten zu bestätigen scheint und dass sie dann rebellieren, wenn hundert Jahre nach dem der 1. Weltkrieg ausgebrochen ist, man an einer Stufe steht wo man ernsthaft Angst haben muss, dass durch eine unprofessionelle Entscheidung, um es mal so zu sagen, vorbereitet durch unprofessionell arbeitende Medien, etwas passiert das wir alle nicht überleben.

NDR:Was meinen Sie mit unprofessionelle Entscheidungen und unprofesionell arbeitende Medien?

Gabriele Krone-Schmalz:
Ich gehe davon aus, dass Menschen die über Krieg und Frieden zu entscheiden haben, dass die sich überlegen bevor sie etwas sagen, was es auslösen kann. Das meine ich mit professionell in der Politik und mit professionelle Medien meine ich, dass wir verpflichtet sind, in unserem System der Demokratie, dass wir verpflichtet sind die Interessen, egal wo sie ihren Ursprung haben, ob in Washington, in Moskau, in Peking, in Brüssel, dass wir Interessen auch beim Namen nennen und den Bürgern darlegen und nicht die einten Interessen weissmalen und die anderen Interessen schwarzmalen. Das passiert in Bezug auf Russland eindeutig!

Hören sie sich das vollständige Interview selbst an:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s