Naht das Ende der Ukraine als Staat?

Die Ukraine wird nach Ansicht von Teilnehmern des Runden Tischs „Russland und Ukraine: Was passiert weiter?“ bald aufhören, als ein Staat zu existieren. „Jetzt geht es nicht um die Erhaltung eines einheitlichen Staates, sondern darum, an wen die eigene Souveränität abgetreten werden soll“, betonte Rostislaw Ischtschenko, Präsident des ukrainischen Zentrums für Analysen und Prognosen, am Donnerstag in der Sitzung.

„Ein Teil der Bevölkerung der Ukraine sucht eine Reintegration mit Russland, andere streben nach Europa. Die Frage besteht nur darin, wo die (künftige) Grenze verlaufen wird“, sagte der Politologe. „Hatte die ukrainische Nation vor 23 Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, noch existiert, gibt es jetzt die Ukraine als einen Staat des ukrainischen Volkes nicht mehr, weil auch das ukrainische Volk selbst schwindet. Dieser Prozess begann 2004 (mit der orangenen Revolution, die Präsident Viktor Juschtschenko an die Macht geführt hat) mit dem Verwässern der ukrainischen politischen Nation. Jetzt ist das Stadium eines Zerfalls des Staates eingetreten.“

„Dem endgültigen Zerfall steht derzeit die ungewisse Position der zentralen Regionen des Landes im Wege, die sich gegen eine klare Grenzziehung zwischen Ost und West wehren… In der Ukraine wird Bürgerkrieg geführt, das bereits viel Blut gekostet hat. Die Seiten werden nicht mehr in der Lage sein, mit einander zu leben. Es ist undenkbar, dass Antifaschisten und Nazis unter einem Dach wohnen würden“, betonte Ischtschenko.

Selbstidentifikation im Südosten

Die Entwicklung in Donezk und Lugansk sei der Beginn des Zerfalls des Landes, meinte Oleg Nemenski, wissenschaftlicher Oberassistent beim russischen Institut für strategische Studien. „In den letzten Jahren hat sich im Südosten (der Ukraine) das Selbstbewusstsein russischsprachiger Ukrainer herauskristallisiert. Statistiken zufolge leben in Donbass hauptsächlich Ukrainer, zugleich ist die Region ein Bollwerk des Russischen und einer markanten russischen Identität. In der Donbass-Region ist jetzt der Prozess der Selbstidentifikation der Bevölkerung zu verzeichnen, der sich unweigerlich auf alle Regionen des Nordostens ausbreiten wird, wenngleich etwas später“, sagte Nemenski.

Der Preis russophober Stimmungen

„Die ukrainische Elite spielt russophobe Stimmungen aus, um vom Westen Hilfe zu erhalten“, meinte Journalist Wladimir Skatschko. „Die Elite ist sich darüber klar geworden, dass sie an der Russophobie profitieren kann. Vertreter der Elite sind als Söldner westlicher Interessen aufzufassen, die nicht nur mit materieller, sondern auch mit militärischer Hilfe des Westens rechnen“, fuhr Skatschko fort.

„Die gegenwärtigen Machthaber in der Ukraine sind absolut nicht selbstständig. Das sind Menschen, die ernannt wurden, um die Ukraine zu einem riesigen antirussischen Brückenkopf zu verwandeln – sowohl für die NATO-Truppen als auch für die ökonomische Ausbeutung. Die Extremisten, die ihr Unwesen im Südosten treiben, sind im Grunde genommen ‚slawische Taliban‘. Ihr Ziel besteht nur darin, den russischen Einfluss durch den amerikanischen zu ersetzen. Die Bescherung wird sich dann nicht auf sich warten lassen“, betonte der Journalist.

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