Ukraine im Umbruch: Rechter Sektor zeigt beeindruckende Stärke

Die zu Ende gehende Woche in der Ukraine war von drei Ereignissen gekennzeichnet. Das Parlament – die Oberste Rada – ernannte Stepan Poltorak zum neuen Verteidigungsminister. Er löste den in Skandale verwickelten Valeri Geletej ab. In Kiew gab es große Kundgebungen und Demonstrationen von Militärangehörigen, die die Auszahlung ihres Solds und ihre Demobilisierung forderten. Die am meisten Aufsehen erregende Demarche war die blutige Demonstration der Stärke ultranationalistischer Kräfte vor dem Parlament.

Der 20.000-köpfige Marsch der Neonazis in Kiew begann am 14. Oktober mit einer Blitz-Kundgebung auf dem Platz der Unabhängigkeit, dem Maidan. Danach folgte ein Fackelzug unter Orchesterklängen zum Parlamentsgebäude. Dort forderten die Ultras das Verbot der Kommunistischen Partei und die Anerkennung der Vertreter der UPA als Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine.
Präsident Pjotr Poroschenko machte den Nationalisten ein gutes Geschenk. Er verkündete den 14. Oktober, den Gründungstag der UPA (der „Ukrainischen Aufständischen Armee“), zum Tag des Verteidigers der Ukraine. Anstatt des bisher traditionellen 23. Februar.
Die diesem neuen Feiertag gewidmeten Veranstaltungen verwandelten sich in Kiew in Massenausschreitungen. „Eingeschlagene Schädel, gebrochene Arme, ausgerenkte Gelenke“ – so beschrieb der Pressesprecher des ukrainischen Innenministeriums die Situation vor dem Parlamentsgebäude. Dutzende Personen wurden festgenommen.
Diese Ausschreitungen der Nationalisten weckten in Russland eine berechtigte Empörung. Wladimir Putin erklärte sie so:
„Man veranstaltet einen Feiertag wegen der UPA – einer nationalistischen pronazistischen Organisation. Man veranstaltet in der Ukraine praktisch einen amtlichen Feiertag. Und das ist begleitet von Aufrufen, mit Vertretern der Russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats abzurechnen.“
Aber zurück zum neuen Verteidigungsminister der Ukraine, Stepan Poltorak. Der 49-jährige General übernahm das Kommando über die Armee, nachdem er ein halbes Jahr lang die Nationalgarde der Ukraine befehligt hatte. Zum „Heerführer“ entwickelte er sich in den zwölf Jahren als Leiter der Akademie des Innenministeriums.
Die meisten unabhängigen Beobachter meinen, dass Poltorak ein überzeugter Anhänger militärisch-repressiver, harter Polizeimaßnahmen zur Säuberung des Donbass sei. Seine Ernennung zum Verteidigungsminister bedeutet Kiews Bereitschaft, den Krieg im Südosten nach dem Prinzip der „verbrannten Erde“ fortzusetzen.
Der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Politik-Forschung, Grigori Dobromelow, ist überzeugt, dass heute viele Schritte Kiews, darunter Poltoraks Ernennung, vom Wahlkampf bestimmt seien. Konkret sagte er Folgendes:
„Poroschenko muss jetzt Effektivität zeigen, was die militärischen Aktivitäten betrifft, und die unbeliebtesten Figuren opfern. Das ist zum Beispiel Verteidigungsminister Geletej, der beschuldigt wird, dass gerade das unprofessionelle Handeln des Generalstabs und des Verteidigungsministeriums zu den hohen Verlusten und im Grunde genommen zur Niederlage der Truppen bei der Anti-Terror-Operation im Donbass geführt hätten. Demnach ist die Entlassung von Geletej in erster Linie auf die Festigung des Ratings des Blocks von Poroschenko gerichtet.“
Es ist bekannt, dass man beim Beitritt zur Nationalgarde die Frage, ob man bereit sei, auf Frauen und Kinder zu schießen, positiv beantworten muss. Die Angehörigen der Nationalgarde haben dann ihr Versprechen vielfach erfüllt, indem sie mit ihrer Artillerie auf Kinder und Frauen schossen. Und das ist bei Weitem nicht die volle Liste der sogenannten „Heldentaten“ von Poltoraks Schöpfung – der Nationalgarde der Ukraine.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ukraine im Umbruch: Rechter Sektor zeigt beeindruckende Stärke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s